Abstract
Kapitel 5 rückt KI aus dem Bereich technologischer Faszination heraus und analysiert sie als soziale Verwertungsordnung, in der Eigentum, Infrastruktur, Wissen, Daten und Kontrolle neu zusammengesetzt werden. Im Mittelpunkt steht die These, dass KI nicht einfach Arbeit ersetzt, sondern Bedingungen der Verwertung reorganisiert und damit neue Rentenpositionen hervorbringt. Die soziologische Funktion des Kapitels liegt darin, Daten, Modelle, Cloud, Chips und Plattformen als kontrollierte Knoten einer politischen Ökonomie sichtbar zu machen, statt sie als neutrale Technik zu behandeln. Dadurch wird auch die neue Form der Ausbeutung präziser gefasst: Viele Akteur:innen produzieren die sozialen, kognitiven und infrastrukturellen Voraussetzungen, während wenige die rentenfähigen Zugriffspunkte kontrollieren. Das Kapitel macht so den eigentlichen Gegenwartsfall der Arbeit ausbuchstabierbar. Im Gesamtwerk bildet es die Schlüsselseite, auf der die Leitentscheidung des Projekts konkret wird. Von hier aus lässt sich anschließend die Verteilung von Risiko und Renten systematisch entfalten.
Runde 2: Inhaltliche Anreicherung
Der Abschnitt sollte mit einer Abgrenzung beginnen: KI ist nicht nur Werkzeug, Produktivkraft oder Automatisierungsversprechen. Für dieses Buch wird sie als Rententechnologie interessant, weil sie Zugriffspunkte schafft, an denen Daten, Modelle, Rechenleistung, Plattformzugang und Aufmerksamkeit kontrolliert werden.
Daten sollten als soziale Beziehung erscheinen. Sie entstehen aus Verhalten, Kommunikation, Arbeit, Konsum, Lernen, Sorge und institutioneller Verwaltung. Wer sie verwertbar macht, eignet sich nicht einfach Rohmaterial an, sondern organisiert Beobachtung und Klassifikation.
Die Ausbeutungsthese muss sorgfältig formuliert werden: Nicht jede Nutzung von KI ist Ausbeutung. Kritisch wird die Ordnung dort, wo viele die Voraussetzungen der Systeme erzeugen und anpassen, während die rentenfähigen Engpässe privat kontrolliert werden.