Abstract
Kapitel 3 erweitert das frühere 3K-Modell aus ökonomischem Kapital, Humankapital und Sozialkapital zu einem relationalen Kapitalraum, der auch kulturelle, symbolische, infrastrukturelle und reproduktive Voraussetzungen systematisch mitdenkt. Im Zentrum steht die Einsicht, dass Ressourcen nicht schon deshalb Kapital sind, weil sie vorhanden sind, sondern erst dann, wenn sie in einem Feld anerkannt, in Wert gesetzt und rentenfähig gemacht werden. Soziologisch erfüllt das Kapitel die Funktion einer begrifflichen Neuordnung: Es präzisiert die verschiedenen Kapitalformen, ihre Konvertierbarkeit und ihre jeweilige Nähe zur Rentenbildung. Damit verschiebt sich der Blick von bloßem Besitz auf die sozialen Bedingungen von Verwertbarkeit. Die Aufnahme von Daten-, Plattform- und KI-Kapital sowie Care- und Reproduktionskapital verhindert, dass das Modell an den klassischen Kategorien stehen bleibt. Im Gesamtwerk ist dieses Kapitel die Scharnierstelle zwischen theoretischem Altbau und neuer politischer Ökonomie der Renten. Es schafft den erweiterten Begriffsapparat, auf den die folgenden Analysen aufbauen.
Runde 2: Inhaltliche Anreicherung
Die zentrale Unterscheidung sollte lauten: Nicht jede Ressource ist Kapital, und nicht jedes Kapital erzeugt automatisch Rente. Kapital wird erst im Feld, durch Anerkennung, Zugriff, Knappheit, Ausschluss und Konvertierbarkeit wirksam.
Das alte 3K-Modell kann als Ausgangspunkt stehen bleiben, muss aber mit Bourdieu gegen seine eigene Verengung gelesen werden. Humankapital darf nicht nur als individuelle Bildung erscheinen; es ist auch institutionell sortierte, symbolisch bewertete und sozial ungleich verwertbare Fähigkeit.
Daten-, Plattform- und KI-Kapital sollten vorsichtig eingeführt werden: nicht als modische Zusatzkategorien, sondern als infrastrukturelle Kontrollpunkte. Care- und Reproduktionskapital wiederum markieren Voraussetzungen der Verwertung, die oft unsichtbar bleiben, aber die Rentenfähigkeit anderer Kapitalien sichern.