Abstract
Dieses Kapitel rekonstruiert die theoretische Grundanlage der ursprünglichen Arbeit, indem es Weber, Marx und Sørensen in ein produktives Spannungsverhältnis setzt. Weber liefert den Begriff der Klasse als typische Lebenschance, Marx schärft den Konfliktkern über die Aneignung fremder Leistung, und Sørensen verbindet beide Perspektiven über den Rentenbegriff zu einer Theorie ungleicher Ertragschancen. Die soziologische Funktion des Kapitels besteht darin, die politische Ökonomie der Ungleichheit nicht als bloße Verteilungsfrage, sondern als Verhältnis von Marktposition, Rentenbildung und Ausbeutung lesbar zu machen. Zugleich wird die zentrale Schwachstelle der älteren Fassung herausgearbeitet: total wealth bleibt dort noch zu stark individualisiert und zu schwach mit institutionellen und relationalen Machtverhältnissen verbunden. Genau an dieser Stelle setzt die Sanierungsthese an. Im Gesamtwerk schafft das Kapitel deshalb die begriffliche Lastaufnahme für alle späteren Erweiterungen. Es begründet, warum die Aktualisierung über KI nur dann trägt, wenn sie an einer vertieften Theorie von Renten und Ausbeutung ansetzt.
Runde 2: Inhaltliche Anreicherung
Die Rekonstruktion sollte mit Weber beginnen, weil dort Klasse als Chance und nicht als Identität eingeführt werden kann. Daran anschließend braucht Marx nicht als Gegenpol, sondern als Zuspitzung: Lebenschancen sind nicht neutral verteilt, sondern beruhen auf Aneignungsverhältnissen.
Sørensen wird zur Scharnierfigur, weil Renten die Verbindung zwischen Marktchancen und Ausbeutung herstellen. Wichtig ist, Renten nicht moralisch als bloße Überrendite zu behandeln, sondern als institutionell stabilisierte Ertragschance, die andere ausschließt oder belastet.
Die Schwachstelle des Altbaus sollte offen benannt werden: Wenn total wealth zu individuell gelesen wird, verschwinden Infrastruktur, Staat, Plattformen, Geschlecht, Herkunft und Beobachtungsmacht. Genau daraus ergibt sich die spätere Erweiterung.